Heute möchte ich ein Erlebnis mit meiner Tochter von gestern Abend mit dir teilen. Sie ist in der 4. Klasse und das bedeutet: jede Woche eine Probe – manchmal sogar zwei. Gestern als ich sie vom Hort abgeholt habe, kam sie ganz gewissenhaft auf mich zu und erinnerte mich daran: „Mama, ich muss noch Deutsch lernen!“, drückte mir das Grammatik Heft in die Hand und legte los, mir über Zeitformen, Silbentrennung, Genetiv bis Akkusativ ihr Wissen aufzusagen. Ich war beeindruckt, wie sie sich diese Regeln alle merken konnte! Aber ich konnte ganz genau spüren, was für ein Druck in ihr vorherrschte, es gut zu machen! Möglichst eine gute Note zu schaffen. Keinen Fehler zu machen und auch diese Woche wieder abzuschließen, mit dem guten und entspannten Gefühl: “jetzt kann ich endlich wieder ausatmen und muss NICHTS mehr machen! Ich kann endlich nur spielen und machen was ich möchte.” Da ich sehen konnte, wie müde und gestresst sie war, kam mir die Idee, ihr etwas zu schenken, wo nach mir oft der Sinn steht, wenn ich unter Druck oder Stress stehe. Ich hab ihr eine schöne Massage gegeben mit gut duftendem Öl, schöner Entspannungsmusik im Hintergrund und gedämpften Licht. Es war so deutlich zu spüren, wie angespannt sie war und wie sehr sie es genossen hat, loszulassen. Zum Ende habe ich ihr noch eine schöne Fantasiereise erzählt und sie ins Bett gebracht.

Wieso erzähl ich dir das? Druck und Stress gehört doch dazu…

Noch ist es nicht bei allen Eltern selbstverständlich, auf die Idee zu kommen, sein Kind mit Entspannungsmusik oder einer Massage zu bedenken, geschweige denn sich selbst auch mal eine Massage zu gönnen. Die Großen sind diesen Druck  schon so gewohnt, dass er fast „normal“ für uns geworden ist. Er gehört zu unserem Leben. Die meisten Erwachsenen unterhalten sich auch oft über den Stress im Job, zu Hause oder mit der Familie. Es ist eine Gemeinsamkeit, die uns verbindet und über die wir uns auch manchmal sogar definieren. Denn dadurch sind wir auch wichtig, so meinen wir in unserer Erwachsenenwelt. Und weil wir das so gelernt haben, uns anzustrengen, es gut zu machen, Erwartungen zu erfüllen, Klassenziele schaffen zu müssen, hat sich das auch fortgesetzt für unser weiteres Leben. In der Ausbildung und in jedem Job galt es, alles zu geben, damit andere mit uns zufrieden sind. So wie in unserer Kindheit, wo uns nichts wichtiger war, als die Anerkennung, das Lob und damit Liebe unserer Eltern. Das ist übrigens für unsere Kinder unverändert wichtig. Ganz oft gehen große Menschen über ihre Grenzen und Kräfte. Heute gehören Burnout oder andere psychische Erkrankungen schon fast zum Leben dazu. Der Körper und die Psyche schlagen Alarm und machen den Mitarbeiter leistungsunfähig. Der Mensch kann dann einfach nicht mehr nur „funktionieren“.  Und es ist auch kein Geheimnis mehr, dass bereits Grundschulkinder oder Abiturienten unter deutlichen Stress Symptomen leiden. Auch junge Menschen bekommen Burnout oder Depressionen.

Willst du das wirklich einfach so an deine Kinder weiter geben?

Es ist schon erstaunlich, wenn auch verständlich, wie sehr Eltern befürchten, dass ihr Kind nicht genug und vor allem auch bloß nicht zu spät auf die Schule also auf den “Ernst des Lebens” vorbereitet wird. Bereits im Kindergarten mit Mathematik und Englisch auf den Erfolgskurs ausgerichtet zu werden, der helfen soll, im hart umkämpften Markt dann auch als Erwachsener zu bestehen. Und weil wir noch zu der Generation gehören, die das so gelernt hat, übersehen wir  leicht bei kleinen Menschen, dass auch sie Stress haben und darunter leiden.

Was kann ich denn dagegen tun – die Schule ist nun mal so, das Leben ist so?

Du kannst anfangen, gewisse Dinge anders zu betrachten und sie zu überdenken. Das gelingt am leichtesten, wenn du als HeldenMama oder HeldenPapa bei dir selbst anfängst. Hinterfrage dich, wie dein Leben ohne ständigen Druck uns Stress wäre.  Schau einfach, im ersten Schritt, welche kleinen Dinge du sofort anderes machen kannst. Z. B. ständige Erreichbarkeit, selbstverständliche Überstunden oder ein Familienkalender der auch am Wochenende keine Lücke hat, um einfach nur zusammen zu sein.

Suche die Nähe zu deinem Kind auf Herzebene

In Beziehung zu deinem Kind hinterfrage dich, wie nah bist du deinem Kind? Kannst du wahrnehmen wie es ihm wirklich geht? Was es wirklich gut kann und ihm Spaß und Freude macht? Was schätzt du besonders an deiner Tochter oder an deinem Sohn? Freust du dich über jeden Erfolg und feierst ihn gebührend – oder gehst du drüber hinweg mit der Bemerkung: „…das geht aber noch besser!“ Hast du eine gewisse Vorstellung von deinem Kind, was und wie es zu sein hat? Und sei ehrlich mit dir, bist du dieser Vorstellung manchmal näher, wie deinem Kind selbst?

Was soll ich denn jetzt tun?

Es ist meiner Meinung nach nicht die Lösung, unsere Kinder möglichst früh an den Druck, den Stress, volle Terminkalender, kaum „Frei-Zeit“ und die Angst, nie genug zu sein zu gewöhnen. Wie ungesund das für Körper und Seele ist, merken wir an ständigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, Gereiztheit, Überforderung, permanenter Anspannung und vor allem doch auch an dem ganz stillen Gefühl in uns, nicht glücklich zu sein. Die Lösung kann doch nur heißen, den Druck rauszunehmen. Indem du anfängst, mehr in dein Kind zu vertrauen und versuchst, nicht ständig zu kontrollieren. Unterstütze es, wenn es Hilfe braucht, aber lass es auch seine Verantwortung selbst übernehmen. Leite es an z. B. seine Aufgaben zu organisieren, übergib ihm dann aber auch die Verantwortung dafür. Mach dir klar, dass es so viele Möglichkeiten gibt, seinen Weg zu gehen, nicht immer nur den direkten und oft sehr harten Weg.  Erlaube deinem Kind auch noch Kind zu sein und dass es sich gern auch mal langweilen darf, denn daraus entstehen die tollsten Ideen. Richte deine Aufmerksamkeit auf das was gut läuft. Es muss doch nicht immer “nur” um Leistung gehen…

Herausforderungen junger Helden

Heute ein Kind oder ein Jugendlicher zu sein,  ist eine besondere Herausforderung. Für heranwachsende Helden gibt es ein enormes Angebot an Möglichkeiten, Aktivitäten, Input, Medien und Meinungen. Es gibt soziale Netzwerke und „moderne Kommunikation“ mit WhatsApp oder Snapchat. Es geht noch viel mehr um „Sehen und gesehen“ werden und das Vergleichen, wie noch vor einigen Jahren. Denn die digitale Welt “fordert” das ja geradezu und wir alle haben so unsere Probleme, uns dem zu entziehen. Weniger geworden ist es, Zeit zu haben, Ruhephasen, Zeit mit Freunden OHNE Handys,  authentische Verbindungen zu anderen und respektvoller, wertschätzender Umgang miteinander. Körperliche Erfahrungen in der Natur und Teamwork. Vieles wird von uns ElternHelden vorgelebt – fangen wir doch an, unsere Verhaltensweisen, Gewohnheiten und unsere Gedanken zu hinterfragen. Du kannst dich jederzeit neu entscheiden! Es lohnt sich – für dich selbst UND für deine Kinder.

Die Heldenstärken die es braucht

Verbindung            Herz              Gemeinschaft

Meine Heldentipps
  • Such wieder die Verbindung zu deinem Kind – spüre was in dir und in ihm da ist an Gefühlen und nimm dir Zeit dafür.
  • Ist es Druck, Wut, Traurigkeit oder Angst? Sprecht darüber, es ist ok, wenn du zu gibst, dass auch eine HeldenMama mal wütend ist oder ein HeldenPapa den Druck in der Arbeit satt hat.
  • Lass den Gedanken los, das Druck und Stress „normal“ ist und zum Leben gehört. *
  • Hör in dich hinein, was ist jetzt gerade dran: kannst du dich wirklich ganz einlassen und im HIER und JETZT mit deinem Kind sein? Oder schielst du schon wieder nach deinem Smartphone, dem nächsten to-do auf deiner Liste.
  • Bist du dankbar für die Gemeinschaft als Familie mit allem was da ist?
  • Weniger ist oft mehr
  • Hab Vertrauen in dein Kind, dich und das Leben
  • Hört auf euch mit anderen zu vergleichen!
  • Sei nicht perfekt – sei einzigartig!

*damit meine ich nicht, dass die Heldenstärke Disziplin hinfällig ist. Das ist die Stärke, die du brauchst als kleiner und großer Held, Dinge durchzuziehen oder ein Herzensziel zu erreichen oder nicht einfach hinzuschmeißen, wenn es schwierig wird. 😉