Kommunikation in der Familie

von | Feb 6, 2023 | Allgemein, Familie | 0 Kommentare

Meine Familie hört mir nicht zu

Keiner hört mir zu! Kommunikation in der Familie hat viele Herausforderungen. Bestimmt kennst du das: dein Partner hat dir nur halb zugehört und war mit seiner Aufmerksamkeit ganz woanders, dein Teenager ignoriert wiedermal deine Bitte doch endlich sein Zeug aufzuräumen, dein Kind im Grundschulalter versteht einfach nicht, dass es bei dir permanent körperliche Grenzen überschreitet. Wie oft hast du dir schon gewünscht, endlich mal von deiner Familie gehört zu werden?

 

Kommunikation – was versteht man darunter

Kommunikation (lat. ‚Mitteilung‘) ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen, die auf verschiedene Arten (verbal, nonverbal und paraverbal) und auf verschiedenen Wegen (Sprechen, Schreiben) stattfinden kann. Soweit die Definition aus Wikipedia.

Lass uns genauer hinschauen. Kommunikation findet täglich statt und verläuft scheinbar selbstverständlich. In der Regel denken wir nicht allzu viel darüber nach wie wir uns austauschen. Erst bei Missverständnissen und Streitsituation kommt es dazu, dass wir uns nicht richtig verstanden oder gehört fühlen.

 

Du kannst nicht nicht kommunizieren

Oft vergessen wir tatsächlich, dass wir eigentlich immer kommunizieren! Wir haben eine Mimik, Haltung und Körpersprache, durch die wir uns ausdrücken. Auch wenn wir keine Worte dafür nutzen, nimmt uns unser soziales Umfeld auch dadurch wahr. Und jeder kennt das Gefühl: wenn du keinen guten Tag hast, gehst du ganz anders, deine Kopfhaltung und deine Mimik sind entsprechend deiner Laune angepasst. Missverständnisse, Streit, oder Eskalationen entstehen dann, wenn die Botschaft die ich mit einer bestimmten Absicht und Art sende, bei meinem Gegenüber mit einem ganz anderen Ohr gehört wird. Körpersprache, Mimik, Präsenz spielt eine große Rolle in der Kommunikation ganz besonders in Familien.

 

Jeder hört anders zu

Der Klassiker für Streit in der Partnerschaft: „Du hörst mir einfach nicht zu!“ Das ist der Satz, den Frauen besonders oft zu ihren Männern sagen. Ist das wirklich so? Meine Erfahrung in meiner Partnerschaft hat mir gezeigt, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Denn mein Mann hört mit einem anderen Filtersystem zu. Das bedeutet, dass er tatsächlich oft nur meine Botschaft in Telegram-Stil hört. Es ist Fakt, dass sich Männer- und Frauengehirne unterscheiden. Das ist ein Teil der Erklärung für Missverständnisse. Wenn ich mich nicht verstanden fühle, hat das immer mit mangelnder Aufmerksamkeit und Präsenz meines Gesprächspartners zu tun. Das ist der andere Part, der uns Frauen sehr oft trifft und verletzt.

Deine Kinder haben auch ihre Filter durch die sie dir zuhören. Noch viel interessanter ist, dass sie je nach Entwicklungsstadium in der Lage sind, deine Botschaft zu hören. Hast du Kinder im Teenageralter, ist das übrigens genauso wichtig zu wissen. Genauere Hintergründe zu Gehirnentwicklung von Kindern und Teenagern findest du hier.

 

Hörst du dir selbst zu?

Als Frau und Mama kommt genau das viel zu kurz. Wir sind Meisterinnen darin, unsere Aufmerksamkeit überall zu haben – aber kaum bei uns selbst. Du hörst deiner besten Freundin, deiner Mama oder Schwester zu. Du bist natürlich immer für deine Kinder da und spürst oft, wenn was nicht ganz stimmt, frägst nach wie du helfen kannst. Das aufmerksam sein und fühlen ist uns als besondere Gabe mitgegeben worden. Unsere Familie, der Partner und unser Job profitieren sehr von ​ diesem besonderen Skill. Doch was ist mir dir selbst? Wie gut hörst du dir zu, was du jetzt gerade am meisten brauchst. Kennst du eigentlich deine Bedürfnisse?

Wenn du dich diese Fragen gerade voll erwischt haben, dann kennst du vielleicht auch, dass du dich in deiner Familie oder im beruflichen Umfeld kaum gehört fühlst. Tatsächlich greift hier das sogenannte Spiegelgesetz des Lebens. Es zeigt dir deutlich im Außen, worum du dich dringend kümmern sollst. Fang also dringend damit an, dir selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Schmerz und Frust bei Mamas

Das ist oft die größte Herausforderung für uns Frauen. Denn wir kümmern und umsorgen von Herzen gerne. Das liegt in unserer weiblichen Natur. Deshalb fällt es uns auch oft so schwer zu verstehen, wieso denn unser Partner uns nicht so aufmerksam zuhören kann, wie wir das oftmals tun. Weshalb es vielleicht kaum bemerkt wird, wenn es uns nicht so gut geht und wir uns tatsächlich mal wünschen, liebevoll umsorgt zu werden. Da wir selbst viele Bedürfnisse unserer Familienmitglieder kennen oder spüren, gibt es eine stille Erwartungshaltung, dass dies auch in unsere Richtung funktioniert. Dass tatsächlich auch unsere Bedürfnisse gehört und respektiert werden. Oft kommst du dabei in Dysbalance, weil du davon ausgehst, dass die anderen dich doch aus so sehen sollten, wie du sie. Die Folge: Frust, Wut, Schmerz und Enttäuschung. Das Gefühl, ich bin auf mich gestellt kommt hoch und macht uns traurig.

 

Bedürfnisse kommunizieren

Übe dich darin, deine eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen. Das ist der erste Schritt, an diesen wiederkehrenden Frusterlebnissen was zu verändern. Was ist dein großes Bedürfnis, was sind deine täglichen Bedürfnisse, die du brauchst, um in der Balance zu bleiben. Gehe in Kontakt mit dir selbst und werde dir darüber klar.

Dann kannst du auch den Rest deiner Familie dazu inspirieren, ihre Bedürfnisse oder ihr Anliegen klarer zu kommunizieren. Nicht nur dir gegenüber, sondern auch untereinander. Denn Mamas übernehmen auch oft die Roller der Vermittler oder Dolmetscher, damit der Familienfrieden wiederhergestellt wird. Deshalb lohnt es sich, dass in einer Familie alle an der klaren Kommunikation und dem ausdrücken von Anliegen und Bedürfnissen arbeiten.

 

Botschaften klar rüberbringen

 

Natürlich ist das in Alltagssituationen nicht immer so einfach, wie in der Theorie. Deshalb habe ich dir hier  mein 4 Tipps zusammengestellt, wie es gelingt, sich besser und klarer auszudrücken.

Mein Tipp Nr. 1: Formuliere in Ich-Botschaften.

Ich-Botschaften sind besser als Du-Botschaften. Denn sie lassen den anderen nicht gleich einen Vorwurf hören. Dazu habe ich ein Video gemacht, wie es dir gelingt für bessere und liebevollere Kommunikation in deiner Familie zu sorgen und deine Ich-Botschaft zu formulieren.

Mein Tipp Nr. 2: Nutze 3 Schritte für deine Botschaft

Kommunikation ist wesentlich im Umgang mit Menschen. Besonders in der Familie oder Partnerschaft. Auch mit deinen Kids ist das wichtig. Denn so lernen sie an deinem Beispiel, sich auch in stressigen Situationen bzw. bei Streit, sich auszudrücken. Über ihre Bedürfnisse zu sprechen und auch zu sagen, was sie verletzt hat. Höre dir dazu meine Videoanleitung an.

 

Mein Tipp Nr. 3: Sei authentisch und klar in deiner Kommunikation

Aus Angst, was falsch zu machen, erlebe ich viele Mamas, die sehr viel erklären, nein sagen und doch nachgeben, viele Erwartungen oder stille Hoffnungen haben, Ja sagen, wenn sie eigentlich nein meinen oder sich ständig selbst hintenanstellen und für eigene Bedürfnisse gar kein Gefühl mehr haben. Deswegen ist es eine wichtige Voraussetzung, erst einmal bei dir für Klarheit deiner inneren Welt zu sorgen. Denn damit schaffst du überhaupt erst die Voraussetzung für einen neuen Kommunikationsstil.

Äußere dich also authentisch! Wenn du dich geärgert hast, dann teile das durch eine Ich-Botschaft mit. Drücke auch aus, was das Verhalten bei dir ausgelöst hat. Wenn du „nein!“ sagst, meine es auch so. Lass dem anderen keine Hintertür offen, die er vielleicht gewohnt war zu fühlen. Sei direkt, wenn du dir etwas wünschst oder Unterstützung brauchst. Damit ist es für die anderen Familienmitglieder leichter, dir entgegenzukommen oder dir zu helfen. Die Zeit der aufopfernden Mütter, die mit Zornesfalten oder leidend schnaufend Mithilfe erhoffen, sind vorbei. Fang jetzt an, es anders zu machen.

Tipp 4: Entscheidet euch für achtsame, respektvolle Kommunikation

Wenn sich alle in der Familie dafür entscheiden, ist das mega wertvoll! Denn damit können auch alle in der Familie gemeinsam üben. Denn von jetzt auf gleich läuft das natürlich noch nicht so rund. In Sachen Kritik üben, sind wir alle richtig schnell dabei. Egal ob klein oder groß. Du kannst Kritik ab jetzt anders ausdrücken.

 

Kritik

Beispiel: „Du hast schon wieder nicht die Spülmaschine ausgeräumt!“, meist hört der andere das schon gar nicht mehr, weil er es gewohnt ist, dafür kritisiert zu werden. Statt mit einer Beschuldigung auf den anderen loszugehen, versuche es mal mit folgender Formulierung:

„Dass ich dich jeden Tag darum bitten muss, die Spülmaschine auszuräumen, macht mich traurig und wütend.“

Wichtig: Mache deinem Kind immer klar, dass deine berechtigte Kritik nicht dein Kind persönlich kritisiert. Es geht um das Verhalten. Denn oftmals formulieren sich Kinder und Jugendliche unsere Aussagen im Kopf als persönliche Kritik um. Dann wird daraus oft ein unwahrer Gedanke: „Ich mache immer alles falsch. Ich vergesse immer alles.

 

Wertschätzung

Anerkennung aussprechen ist Wertschätzung! Das wünschen wir uns alle. Auch wenn es in meiner Welt total normal sein sollte, dass wir zusammen helfen und auch Kinder und Jugendliche ​regelmäßige Pflichten übernehmen können, ist es wichtig, die Mithilfe auch anzuerkennen. Oftmals fehlt jungen Menschen genau das.

Sprich also auch das Positive Verhalten an und bring zum Ausdruck, was das mit dir macht. Beispiel: „Ich sehe du hast in den letzten Tagen immer wieder an die Spülmaschine gedacht. Danke dir, das hilft mir sehr und zeigt mir, dass du deinen Teil beitragen willst.“

 

Gefühle ernst nehmen

Der Umgang mit Gefühlen, besonders den negativen, ist immer Zündstoff in der Kommunikation. Deshalb hierzu noch ein Impuls. Sprich deinen Lieben ihre Gefühle nicht ab! Erkenne sie an. Wie oft hörten wir wohl den Satz: „Stell dich nicht so an!“ oder „Jetzt reiß dich aber mal zusammen!“ Das sind Sätze die sitzen tief. Du kannst es heute anders machen. Lass die negativen Gefühle erstmal da sein.

Beispiel: Dein Kind kommt sauer von der Schule heim, schmeißt sein Zeug hin, mosert über das Mittagessen und mault dich an.
„Ich sehe du bist ganz schön wütend. Ist was vorgefallen, dass dich so wütend gemacht hat? Magst du mir davon erzählen?“

Damit gibst du erstmal der unangenehmen dicken Luft Raum. Es darf erstmal alles so sein. Und wichtig: es hat bestimmt nichts mit dir persönlich oder dem Essen zu tun. Alle drei Punkte sind übrigens super auch auf dich oder euch Eltern anzuwenden. Es ist zwar eine Kleinigkeit, sich anders auszudrücken, verändert aber viel in der Familienkommunikation oder auch auf Paarebene.

 

Mein Buchtipp

5 Sachen der Liebe
Die 5 Sprachen der Liebe sind: 1. Lob und Anerkennung, 2. Zweisamkeit, 3. Zärtlichkeit, 4. Geschenke und 5. Hilfsbereitschaft Was verbirgt sich hinter den 5 Sprachen der Liebe?
Das Konzept beschreibt 5 Arten, wie wir unsere Liebe ausdrücken können.

Es gibt auch die Ausgaben für Teenager, Kinder und Paare.

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